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WZ - Spezialisierung ist das Gebot der Stunde

Dr. Heiko Hesemann ist Nachfolger von Geschäftsführer Holger Lau bei Sande Stahlguss. Der Bereich Energie wird immer wichtiger. Hierbei behauptet sich das 200 Mitarbeiter starke Unternehmen aus Sande weltweit in den Top 5.

Von Malte Kirchner

Sande - Wenn Energiekonzerne heute moderne Kraftwerke mit einem höheren Effizienzgrad und weniger Kohlendioxid-Ausstoß bauen wollen, klingelt häufig beim Sande Stahlguss das Telefon. Grund dafür sind die qualitativ hochwertigen Stahlsorten, die Bezeichnungen wie P91 und CB2 tragen und in Sande verarbeitet werden.

Vielen ist die Sande Stahlguss GmbH noch als Gießerei Sande im Bewusstsein - daran erinnert schon der Name Gießereistraße in Sandes Industriegebiet. Doch Gussteile für Maschinen- und für Schiffsbau - Kernkompetenzen seit der Gründung im Jahre 1947 - spielen heute nur noch eine kleinere Rolle, sagt Geschäftsführer Fred Menn. 90 Prozent des Geschäfts finden im Bereich Energie statt, so etwa mit Gas- und Dampfturbinen, die höchsten Anforderungen entsprechen müssen.

Der Stahlguss hat sich hier einen Namen gemacht und ist weltweit unterwegs. Exportiert wird nicht nur in europäische Länder und die USA, sondern auch nach China, Indien und Russland. Die Kundenliste liest sich wie ein Wer-ist-Wer der Großkonzerne.

Spezialisierung ist das Gebot der Stunde, sagt Menn - und natürlich Qualität, die der Stahlguss mit diversen Zertifikaten nachweisen kann. Zusammen mit Holger Lau, der 17 Jahre für den technischen Teil Geschäftsführer war, hat Menn das Unternehmen hin zu Großbauteilen neu ausgerichtet. Heute gehöre die Firma mit 200 Arbeitsplätzen zu den „Top 5 in der Welt“.

Es sind also „große Fußstapfen“ für Dr. Heiko Hesemann, der zum 1. Januar die Nachfolge von Holger Lau angetreten hat. Der neue technische Geschäftsführer hat allerdings im Alter von 40 Jahren auch schon einiges vorzuweisen. Nach dem Studium der Werkstoffwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt und der Promotion in Stuttgart, wo Hesemann am Max-Planck-Institut für Metallforschung tätig war, arbeitete er sieben Jahre lang bei Daimler. Dort war er zuletzt Executive Assistant für die Entwicklung der Motoren und Getriebe von Mercedes-Benz. Vor seinem Wechsel nach Sande arbeitete Hesemann bei einem Mitbewerber in Krefeld und war dort Leiter der Qualitätsstelle.

Was Hesemann neben der Karrierechance an Sande reizte, sind nach seiner Aussage die gestalterischen Möglichkeiten, die den Leistungen des Duos Menn/Lau zu verdanken sind. In Sande werden Einzelteile mit bis zu 40 Tonnen Versandgewicht (80 Tonnen flüssig) gegossen - mehr als anderswo. Es stehen moderne Technologien zur Verfügung, darunter der so genannte IOC-Konverter, der Stahlschmelzen mit hohem Reinheitsgrad und niedrigem Gasgehalt ermöglicht.

Der Konverter war laut Fred Menn auch das letzte große Projekt von Holger Lau, der sich jetzt im Alter von 62 Jahren aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat und das Unternehmen künftig weiterhin berät. Seinen Nachfolger hat Lau seit Sommer vergangenen Jahres eingearbeitet.

Hesemann übernimmt das technische Ruder in spannenden Zeiten: „Der Turbinenbau geht immer mehr an die Grenzen dessen, was möglich ist“, sagt Heiko Hesemann. Gemeinsam mit anderen forscht das Unternehmen an Legierungen, die Temperaturen bis zu 700 Grad bewältigen.

Originalartikel (PDF-Dokument)

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